Shirouyasu Suzuki Special 2026

Japannual

JP 1975 | 153 min | OmeU
Kinostart 10.10.2026

Shirouyasu Suzuki (1935-2022) gilt als einer der bekanntesten und einflussreichsten Autoren im Bereich des persönlichen und privaten analogen Filmemachens und Dokumentierens. Seine audiovisuellen Werke und seine Lyrik haben zahlreiche Künstler nachfolgender Generationen inspiriert, auch dank seiner Lehrtätigkeit an der Tama Art University und am Image Forum in Tokio. Von 1963 bis 1978 war Suzuki als Kameramann bei NHK tätig und drehte gleichzeitig mit seinen eigenen Kameras 8mm und 16-mm-Filme, mit denen er Fragmente der Orte festhielt, die er besuchte, wobei er sich insbesondere auf Momente des Alltags und der familiären Intimität konzentrierte. Wir zeigen seine Tagebuchfilme Impressions of a Sunset und 15 Days, die 1975 und 1980 entstanden sind, ebenso den Film After All, I’m 70 Years Old aus dem Jahr 2005.

Bei jeder Art des Schreibens (Lyrik, Prosa, Tagebuch, Briefe) lässt sich die Identität der Person erkennen, die den Text verfasst hat. Stimmungen, Gedanken und körperliche Verfasstheit finden ihren Weg ins Freie anhand der gewählten Schreibutensilien. Als Filmemacher scheint der Körper mit der gewählten Kamera verbunden, und die Kamera ist eine Möglichkeit, aus der persönlichen und somit ganz eigenen Sprache heraus sichtbar zu werden. Dieses Konzept findet sich in Suzukis Werk exemplarisch wieder. Manche Dinge auf der Leinwand erscheinen vielleicht nicht als Phänomen, werden aber als solches erkannt, sobald sie sich im Kinosaal entfalten können. Suzuki setzt sich mit seinem eigenen Selbst als ein Phänomen auseinander, sein Interesse am «äußerst Privaten» entspringt der Vorstellung, dass Universalität durchaus erreicht werden kann – je nachdem, welchen Ansatz man bei der Entfaltung seiner selbst wählt. In seinen früheren Werken war Suzuki der Ansicht (und vermittelte dies auch), dass es keine Universalität geben könne, man verliere an Authentizität, wenn man über Universalität erst einmal nachzudenken beginnt. Vielleicht trifft das auf die moderne Zeit zu? Um zur Realität zu gelangen, muss man sich selbst genau untersuchen und sich mit sich selbst als Phänomen auseinandersetzen. Und damit schließt sich dann der Kreis. — Claudia Siefen-Leitich

 

15 Days  15日間 (1980)

93min.

Regie, Kamera, Schnitt: Suzuki Shirouyasu

Mit: Shirouyasu Suzuki, Mari Suzuki, Sota Suzuki, Katsumi Sugawara, Isamu Wakabayashi, Katsu Kanai, Kazue Tomiyama, u.a.

 

«Anfangs konnte ich der Kamera nicht ins Auge sehen, also drehte ich ihr den Rücken zu und filmte mit dem Rücken zur Kamera. Ich beschloss, jeden Tag 6 Minuten lang zu drehen, aber dann ging die Kamera kaputt, und ich versuchte, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich nicht mehr drehen könne. Ich hasste es wirklich, gefilmt zu werden. Als ich mir das Material an sah, wirkte ich wie ein richtig fieser Mensch, und ich war verzweifelt und dachte: «Bin ich das wirklich?» Sicher, wenn man nur auf den Bildschirm schaut, sieht es einfach nach Selbstverliebtheit oder einem «Film hinter verschlossenen Türen» aus. Aber wenn man einen Schritt zurücktritt, gibt es da einen anderen Teil von mir, der sich der Unerbittlichkeit der Kamera aussetzen und zeigen will, was in meinem Kopf vorgeht und wie meine Gefühle funktionieren. Mein Haus hat ein Arbeitszimmer im Erdgeschoss, und dort habe ich die meisten Szenen gedreht, in denen ich in die Kamera spreche. Ich hatte mich allmählich daran gewöhnt und konnte auch im Wohnzimmer im ersten Stock filmen und mich frei bewegen. Wenn ich mich selbst filme, ist natürlich niemand auf der anderen Seite der Kamera. Umgekehrt sitzt bei der Filmvorführung das Publikum vor der Leinwand, und ich bin nicht mehr Teil dieses Raumes. …» – (Suzuki Shirouyasu im Interview mit Kaneko Yu, Oktober 2010).

 

After All, I’m 70 Years Old  極私的に遂に古稀  (2005)

36min.

Regie, Kamera, Schnitt: Suzuki Shirouyasu

Musik: Hisawo Miki

Stimme: Yamamoto Yuko

Mit: Suzuki Shirouyasu, Suzuki Mari, Akita Yuki, Nogami Kinuyo, Mitglieder der Tama Art University Drama Performance Jiraiya.

 

Der persönliche Radikalismus des Regisseurs wird hier von ihm weitergeführt. Während er offensichtlich an einer Grippe laboriert beginnt er die Zeit vor seinem 70. Geburtstag zu dokumentieren. Sich den Grenzen des Körpers zu widersetzen und dies auch in Worte zu fassen, mitsamt den Bildern seiner Kamera scheint er sich seinem körperlichen Verfall entgegenstellen zu wollen. Rückenschmerzen, Knieschmerzen, und eine Pfingstrose gedeiht im Innenhof des Hauses. Es ist eine tiefrotviolette Kugel, die aussieht, als würde sie jeden Moment zerplatzen und ihre unbändige Lebenskraft verstreuen wollen. Sie wird bald zu einer weißen Blüte erblühen, und der Filmemacher erwartet doch schon fasziniert ihr Verwelken.            — Claudia Siefen-Leitich

 

Impressions of Sunset  日没の印象 (1975)

24min.

Regie, Kamera, Schnitt: Suzuki Shirouyasu

Mit: Shirouyasu Suzuki, Mari Suzuki, Sota Suzuki, Kiyoji Otsuji, und Studierende der Tokyo Zokei University.

 

«Mein Film beginnt mit einem beeindruckenden Sonnenuntergang, gefilmt aus dem Fenster meines Wohnhauses in Kameido. Der Film drückt meine Entschlossenheit aus, dass sich dies für visuelle Ausdrucksmittel nutzen ließe, und endet mit der Cine- Kodak auf dem Fensterbrett. Im Film spreche ich über die Freude, die alte, ledergebundene Kamera zu erwerben, über die Freude, meine Frau und mein Neugeborenes zu filmen, und die Freude, visuelle Werke ganz so wie Gedichte zu schaffen. Ich wollte zeigen, dass filmischer Ausdruck durch das Drücken des Auslösers aus Zuneigung entstehen kann, und zwar nur in meinem kleinen Zuhause. Diesen Weg verfolgte ich bewusst. Ich filmte, nahm auf und bearbeitete alles in meiner Wohnung. Während der Filmprojektion hielt ich ein Mikrofon und sprach den Kommentar extra auf Magnetband ein. So entstand die Grundlage meiner persönlichen Filme: Die Bilder basieren auf meinem Alltag. Der Kommentar ist meine eigene Stimme, die meine Gedanken ausdrückt. …» – (Suzuki Shirouyasu im Interview mit Kaneko Yu, Oktober 2010).


Shirouyasu Suzuki Special 2026

Japannual

JP 1975 | 153 min | OmeU

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